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12.05.00
Heute Morgen hat die
Kinderärztin bei Niklas die U2
durchgeführt und ein
auffälliges Herzgeräusch
festgestellt. Ich bin wie vor den
Kopf geschlagen, vor allem als
sie mir sagt, das sie Niklas zur
Kontrolle in die Uniklinik nach
Göttingen überweisen will.
Ich rufe meinen Mann an und
sage ihm bescheid und dann
geht es auch schon los. Niklas
, eine Krankenschwester und
ich machen uns im Taxi auf
den Weg zur Uniklinik.
Dort müssen wir ersteinmal
warten und ich werde immer
unruhiger. Niklas sieht doch so
gesund aus.
Dann beginnen die üblichen
Untersuchungen. EKG, Röntgen
und anschließend ein
Ultraschall.
Der Arzt guckt ganz besorgt
und sagt aber kein Ton.
Endlich beginnt er zu sprechen
und versucht mir zu erklären
dass Niklas einen Komplexen
Herzfehler hat:
Aortenisthmusstenose, hypopl.
MK + LV und eine valv.
Aortenstenose.
Irgendwie
verstehe ich gar nichts und
denke nur an Niklas.
Jedenfalls wird Niklas gleich
dabehalten und auf die
Neugeborenen-Intensiv verlegt,
denn eine OP ist
unumgänglich.
Wieder müssen wir warten und
als ich dann endlich zu Niklas
darf ist er intubiert und hat eine
Magensonde. Dazu noch
andere Kabel und Schläuche,
denn der Ductus wird mit
einem Medikament
offengehalten.
Ich bin total fertig.
Wieder zurück in der
Entbindungsklinik rufe ich
meinen Mann an und lasse
mich auf eigenen Wunsch nach
Hause entlassen. Da es mir
körperlich gut geht, darf ich
nach Hause, soll mich aber
dennoch schonen, auch wenn
ich am liebsten Tag und Nacht
bei Niklas sein will.
Mein Mann holt mich ab und
wir nehmen uns in die Arme
und weinen gemeinsam um
Niklas. Warum nur? Was haben
wir falsch gemacht?
Dann fahren wir noch einmal zu Niklas und dort müssen wir wieder beide weinen. Wahrscheinlich wird Niklas am Dienstag operiert.
15.05.00
Das Wochenende hat sich sehr
zäh dahin gezogen und wir
waren froh, wenn wir bei Niklas
sein konnten und es ihm so
weit gut ging.
Gegen 15.00 Uhr sind wir in der
Klinik, denn heute will Prof.
Ruschewski den OP-Verlauf
mit uns besprechen. Morgen
ist es so weit.
Die Schwestern versuchen uns
ein wenig in die Pflege von
Niklas mit einzubeziehen, so
darf ich wenigsten seine
Lippen mit einer Fettcreme
einschmieren.
Gegen 19.00 Uhr sagt man uns,
dass der Professor noch im OP
steht und dass Niklas erst am
Mittwoch operiert wird.
16.05.00
Heute hat der Professor
endlich Zeit für uns.
Er versucht uns anhand einer
Zeichnung zu erklären, was an
Niklas Herzen kaputt
ist und wie er es "reparieren"
will.
Bis auf seinen Herzfehler ist
Niklas gesund und wenn die
OP gut verläuft, haben wir
Niklas in 6 - 8 Wochen zu
Hause.
17.05.00
Heute ist Niklas schwerster Tag.
Um 8.00 Uhr früh habe ich auf
der Neugeborenen Station
angerufen und man sagte mir,
Niklas wurde schon zur OP
abgeholt und es ging ihm so
weit gut.
Jetzt heisst es für uns warten.
Gegen 14.00 Uhr rufe ich auf
der Intensivstation an und
frage nach Niklas. Die
Krankenschwester sagt mir er
wäre noch nicht da ist aber
schon angemeldet. Ich solle
doch in einer Stunde noch mal
anrufen.
Gegen 15.00 Uhr ist Niklas
dann auf der Intensivstation
und wir dürfen zu ihm, wenn
wir wollen.
Keine Frage, ab ins Auto und
los.
Niklas liegt da in seinem
Bettchen, vor lauter
Schläuchen und Kabeln kaum
zu erkennen, aber es geht ihm
so weit ganz gut. Die OP ist gut
verlaufen und wie uns der
Professor später mitteilt, hat
alles so geklappt, wie er es
geplant hat.
Nun müssen wir eben den
postoperativen Verlauf
beobachten. Aber Prof.
Ruschewski ist sehr zufrieden.
21.05.00
Die letzten Tage hat Niklas sich
jeden neuen Tag ein Stückchen
erholt. Die Medikamente
werden langsam abgesetzt und
die Beatmung auch Stück für
Stück runtergefahren.
Niklas bekommt auch schon
Tee und seid gestern auch
Milch über die Sonde. Ich bin
fleißig am abpumpen aber so
recht kommt der Milchfluss
nicht in Gang.
Heute morgen wurden bei
Niklas auch schon zwei
Wundschläuche gezogen. Nun
kann man schon mal etwas
mehr von ihm sehen.
Ab und zu ist Niklas auch wach
und blinzelt kurz umher.
23.05.00
Niklas wurde extubiert!!!
Super, was für eine Freude.
Und er atmet schön kräftig und
gleichmäßig, so dass er noch
nicht mal eine O2 Brille zur
Unterstützung braucht. Weiter
so, Niklas!
24.05.00
Morgens wurde die dritte
Drainage gezogen und am
Nachmittag die letzte.
Dann durfte ich Niklas endlich
wieder auf den Arm nehmen.
Was für ein Gefühl!
Aber wir konnten es nicht
lange genießen, denn auf
einmal wurde Niklas so
unruhig und hat viel
gequengelt. Irgendwie atmete
er auch sehr schwer.
Die Krankenschwester hat ihn
ersteinmal zurück ins Bett
gelegt und ihm etwas
Sauerstoff gegeben.
Dann wurde ein Röntgenbild
gemacht, und darauf konnte
man deutlich erkennen, das
Niklas Luft im Brustkorb hat.
Der Arzt hat dann entschieden
eine neue Drainage zu legen,
damit die Luft raus kann.
Wir waren völlig fertig, denn
wir wussten ja gar nicht was
los war.
Aber nachdem dann die neue
Drainage lag, ging es Niklas
von Minute zu Minute besser.
25.05.00
Niklas wurde heute auf die
normale Kinderkardiologische
Station verlegt.
Nun können wir schonmal in
Ruhe mit Niklas kuscheln, auch
wenn immer noch ein Paar
Kabel im Weg sind.
Niklas trinkt nun auch
schonmal so 10-15 ml aus der
Flasche, den Rest bekommt er
noch über die Sonde. Aber das
wird schon werden.
29.05.00
Niklas bekommt am Tag ca. 70
ml Milch, und das meiste
davon trinkt er aus der
Flasche.
Heute Nachmittag wurden die
Fäden gezogen.
Vielleicht dürfen wir bald nach
Hause.
02.06.00
Heute morgen wollten wir
Niklas baden, aber leider ging
das noch nicht, denn er hatte
noch etwas Schorf auf der
Narbe. Aber ich konnte ihn
waschen.
Endlich sind alle Strippen ab
und wir können richtig
ausgiebig mit Niklas knuddeln
und Schmusen.
Gegen halb zehn kommt der
Arzt und sagt mir, das Niklas
heute mit nach Hause darf.
Juhu!!!
Denn eigentlich ist Niklas errechneter Geburtstermin
heute!!!
Na, wenn das kein
Glückszeichen ist.
Ich fahre sofort los um die
Babyschale zu holen. Mein
Mann kann es gar nicht
glauben, aber letztendlich ist er
genauso happy wie ich.
Mit einigen Medikamenten und der Information, dass wir Niklas bloß nicht in Watte packen sollen, fahren wir endlich als komplette Familie heim. An Medis bekommt Niklas 2xtgl. Lanitop und Ferro Sanol und einmal Aldactone. In vier Wochen sollen wir wieder zur Kontrolle erscheinen.
Januar 02
Die Kontrolluntersuchungen
verlaufen immer normal und es
gibt keine Probleme. Niklas
nimmt gut zu und entwickelt
sich zu einem kleinen
Rabauken.
Im Januar 2002 wird dann bei
einem Ultraschall festgestellt ,
dass sich an der Mitralklappe
eine Membran gebildet hat.
Es wird veranlasst eine
Herzkatheteruntersuchung
durchzuführen, denn eventuell
ist eine weitere OP notwendig.
März 02
Die HK Untersuchung hat
ergeben ,dass momentan keine
OP notwendig ist, da die
Drücke im Herzen o.k. sind und
auch mit einer Ersatzklappe
keine besseren Ergebnisse
erzielt weren könnten.
Wir sind erstmal erleichtert.
Natürlich wird das weiter
beobachtet und man kann eben
noch nicht sagen, wie sich die
Membran weiterentwickelt.
Mit etwas Glück braucht Niklas
keine Ersatzklappe.
Nächste Kontrolle in 3
Monaten.
Juni 02
Kontrolluntersuchung im
Klinikum.
Es gibt keine Veränderungen.
Weiter beobachten und
nächster Termin in sechs
Monaten.
Niklas ist ein richtiger Kobold.
Alles muss er ausprobieren
und er ist sehr neugierig. Er
flitzt den ganzen Tag nur
umher und plappert munter vor
sich hin.
Wenn man nicht wüsste, welch
schweren Start er ins Leben
hatte, man würde nie vermuten
das er ein Herzchen ist.
Wir sind superfroh, das es ihm
so gut geht, und hoffen
natürlich, das es auch so
bleibt.
Medikamente braucht Niklas
nicht mehr nehmen,
gegebenenfalls
Endokarditisprophylaxe.
Wir wünschen allen Herzchen viel Glück und alles Gute.
Über Post würden wir uns auch freuen.
Jan. 04
Es ist schon wieder so viel Zeit ins Land gegangen
und Niklas ist seit April 03 stolzer, großer
Bruder einer kleinen Schwester und auch seit
August 03 ein stolzes Kindergartenkind.
Es geht ihm supergut und er strotzt nur so vor
Energie.
Im August 03 hatte Niklas eine kleine OP, er hat seit Geburt ein Halsanhängsel und dieses wurde ihm nun entfernt. Der Eingriff wurde ambulant durchgefüMhrt und Niklas hat die Narkose und den Eingriff toll weggesteckt.
Im Dezember 03 hatten wir die letzte Kontrolluntersuchung und ich hatte diesmal eine Heidenangst davor, dass sich seine Werte verschlechtert haben und wir nun zur OP einrücken müssen, denn irgendwann einmal muss Niklas wohl eine neue Klappe bekommen.
Aber meine Angst war unbegründet. Wir hatten einen
super Arzt, der toll auf Niklas eingegangen ist und
ihm auch die Angst vor der Untersuchung genommen
hat, so dass alles ohne Probleme gelaufen ist.
Niklas seine Werte sind weiterhin stabil, keine
Verschlechterung festzustellen.
Wiedervorstellung in sechs Monaten und wenn dann
immer noch alles gut ist, vielleicht erst wieder in
einem Jahr! Das wäre natürlich schön.
Diesmal wird ein 24h EKG gemacht und Niklas rennt stolz mit seinem Rucksack durch die Gegend als wenn es völlig normal wäre. Das EKG zeigt keine Auffälligkeiten.
Bis auf einige Erkältungen, die teilweise auch mit Fieber sind, geht es Niklas also super und darauf sind wir stolz.
Wir sind so froh diesen kleinen Rabauken zu haben,
wobei er auch sehr anstrengend sein kann. Aber das
Wichtigste im Leben ist halt, dass es Niklas gut
geht und dass er sich völlig normal entwickeln
kann.
Was die Zukunft uns bringt, weiß keiner, aber
wir nehmen es so, wie es kommt, werden kämpfen und
für unseren Sohn dasein, wann immer er uns braucht.