Damit die Kinder nahe bleiben, wenn sie krank sind
Die McDonald's-Kinderhilfe baut Elternwohnungen in der Nähe von Krankenhäusern -
ein Besuch im Herzzentrum in München
Große Augen starren uns an. Kinder, die gerade noch mit freudigem Geschrei spielten, blicken jetzt verängstigt an uns hoch.
Eine halbe Schulklasse Fremde, das scheint zu viel zu sein.
Das sind die ersten Eindrücke aus der Ambulanz des Deutschen Herzzentrums in München. Beim Rundgang durch das
Haus bekommen wir kurze, detaillierte Informationen. Auf der Kinderstation wird uns das angenehme Klima
nahegebracht. Pfleger, Schwestern, Ärzte, alle scheinen hier Hand in Hand zu arbeiten. Auch den Kindern
merkt man es an, daß in diesem Haus einiges besonders feinfühlig gehandhabt wird. So besuchen die
sechs- bis zehnjährigen
Kinder gern die e Säuglinge und tragen sie auf der Station spazieren, soweit ihre Gesundheit das
zuläßt. Auch viele Eltern trifft man in den Räumen. Die Türen stehen immer offen.
Nicht zu übersehen sind die künstlerischen Fähigkeiten der Kinder, Sie werden von Betreuerinnen und
Lehrerinnen gefördert, die Werke später auf der Station ausgestellt. Da kommt man sich vor wie in einem
Kindergarten, nicht
wie in einer Klinik - wovon vor allem die jungen Patienten profitieren.
Die ruhige Kraft von Kinderbildern
Wir gehen in das benachbarte RonaldMcDonald-Haus. Hier können Eltern wohnen. deren Kinder sich in der Klinik
befinden. Die Hausleiterin, Alexandra Bauer, empfängt uns am Eingang. Auf dem Weg in einen der Kellerräume
spüren
wir schon die warme, freundliche Atmosphäre, die in dem Haus herrscht. Dazu tragen nicht zuletzt die bunt
behängten Wände mit den Bildern der Familien bei. Alexandra Bauer sagt, es sei sehr wichtig, daß
das vor drei Jahren
gegründete Haus auf dem Grundstück der Herzklinik stehe: Einerseits, damit sich die Eltern immer in der
Nähe ihres Kindes befinden, andererseits aus Versicherungsgründen - weil die Kinder das Gelände
nicht verlassen müssen, um
ihre Eltern besuchen.
GESCHENKE FÜR DIE KINDER: Die Gymnasiasten aus Meisenheim haben Spenden mitgebracht zum Reportage-Besuch
im Ronald-McDonald-Haus Klassensprecher Uli Keiper (links) übergab die Teddys, Spiele und Bücher an
Geschäftsführer Manfred Welzel und Hausleiterin Alexandra Bauer.Photos (2): Schüler
Bauers Aufgabe ist es, das Haus sauber zu halten, und für die Eltern da zu sein, wenn sie reden wollen.
In ihrem Beruf braucht man viel Menschlichkeit
und Einfühlungsvermögen, und auch ein Handeln "aus dem Bauch heraus" ohne lange zu überlegen.
Sonst könnte es manchmal schon zu spät sein. Diese Anforderungen erfüllt Alexandra Bauer.
Auf uns wirkt sie sehr sympathisch.
Für die Eltern ist es oft schwer, mit den meist langwierigen Herzkrankheiten ihrer Kinder fertig zu werden.
Deshalb sind auch Gespräche in der Gruppe
wichtig. Dabei merken sie, daß sie mit ihren Problemen nicht allein sind.
Wenn Eltern nicht über ihre Probleme eine reden wollen, wird das auch akzeptiert. Nur wenn Alexandra Bauer
merkt, daß eine Mutter kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht, zieht sie einen Psychologen hinzu.
Und für viele Eltern ist die Krankheit ihres Kinder ein Schock. Meist kann man
yor der Geburt nicht feststellen, ob es ein Problem mit dem Herz hat. Wenn sie nach der Geburt davon erfahren,
wissen sie selten, wie sie damit umgehen sollen.
Deshalb ist es besonders wichtig. die
Eltern abzulenken - beispielsweise
durch Ausflüge in die Stadt. gemeinsames Grillen oder einen einfachen Fernsehabend, wer will, kann auch selbst
etwas unternehmen oder die Freizeitangebote im Haus nutzen. Es gibt einen
Tischtennisraum, der hauptsächlich von
den Vätern genutzt wird und bald um
einige Fitneß-Geräte erweitert wird.
Daneben liegt. - wie in einem gewöhnlichen Wohnhaus - der Waschraum, mit Waschmaschinen, Trockner,
Kühlschränken und einem Bügelbrett. Hier ergäben. sich viele Gespräche zwischen
Müttern, sagt Alexandra Bauer.
Sie führt in eines der neun Appartements für die Eltern. Alle sind gleich ausgestattet und gleich
groß. So wird keiner bevorzugt oder benachteiligt. Die meisten Väter kommen nur am Wochenende,
weil sie die Woche über arbeiten
müssen Ein Appartement kostet pro Nacht 20 Mark. Die großen Krankenkassen bezahlen diese Kosten
- es wurde nämlich festgestellt, daß die Kinder im Durchschnitt um ein Drittel schneller gesunden,
wenn ihre Eltern in der Nähe
sind.
Weiter in den Aufenthaltsraum. Dort befindet sich eine Küche, in der die Eltern selbst kochen.
Sie wird bald vergrößert, weil sie für neun Familien
zu
klein ist.
Was wir bewundernswert finden-. Alexandra Bauer und ihre Mitarbeiter
schaffen es immer wieder, alle Dinge, die das Haus benötigt, entweder als Sachspenden von Firmen geschenkt
zu bekommen oder durch Geldspenden zu finanzieren. Durch ihr ständiges Engagement hat Bauer es sogar geschafft, den
Abfall kostenlos abholen zu lassen.
Ein interessanter Besuch. Jetzt haben wir gesehen, wozu die kleinen Plastikbehälter dienen, die an der Theke von
McDonald's stehen
Maren Neu, Helen Schmidt
Klasse 10a
Paul-Schneider-Gymnasium
Meisenheim
Hände, die einander halten
Die Ronald-McDonald-Häuser: Spenden für Familien
Die McDonald's Kinderhilfe baut Häuser für Eltern, deren Kinder im Krankenhaus liegen.
Was ist das für eine Organisation ? Die Muttergesellschaft "Ronald McDonald Children's Charities"
sitzt in Chicago und wurde 1984 in Gedenken an Ray Kroc gegründet, dem Mann, der auch
McDonald's gegründet hat.
Schon im Gründungsvertrag des Fast-food-Unternehmens wurde festgelegt, daß ein Teil
seines Gewinnes für soziale Zwecke gespendet werden soll.
Seit eilf Jahren gibt es die Ronald-McDonald-Häuser auch in Deutschland: in Gießen, Kiel, Aachen, Jena,
Erlangen, Hamburg, Berlin und zwei in München.
Eines davon ist noch im Bau, eines in Planung.
Bei der Kinderhilfe liegen Anfragen von Kliniken für 13 weitere Häuser in Deutschland. Doch
dafür reicht das Geld nicht, weil der Bau einer Anlage 2,5 Millionen Mark kostet, zudem
jedes Haus jährlich 250 000 Mark Unterhalt. Ein Fünftel davon übernehmen die Eltern.
Der Rest wird aus rund zwei Millionen Mark Spenden und von McDonald's finanziert.
Von dem Unternehmen bekommt die Kinderhilfe jährlich rund vier Millionen Mark, abhängig vom
Umsatz, und rund 600 000 Mark aus den kleinen Plastik-Behältern, die an den
Restaurant-Theken stehen. Manche Häuser schaffen es auch, sich selbst zu finanzieren
- mit Geld- und Sachspenden, die sie selbst eintreiben.
Die Grundprinzipien der Einrichtungen erklärt der Geschäftsführer der Kinderhilfe, Manfred Welzel.
Das Haus dürfe höchstens fünf Minuten zu Fuß von dem Krankenhaus entfernt
liegen. Ideal ist es, wenn es sich auf dem Klinkgelände befindet, wie beim Deutschen Herzzentrum
in München. Auf den Zimmern gibt es darüber hinaus keine Fernseher, um der Isolation
der Eltern vorzubeugen.
Eine Gemeinschaftsküche soll die Kommunikation zwischen den Eltern fördern. Es gilt ein
Rauchverbot und das Appartement kostet je Übernachtung 20 Mark.
Als ein Grundziel seiner Arbeit nennt Welzel den Trost, den die Kinderhilfe geben wolle. Sie schenke
darüber hinaus schwerkranken Kindern einen Urlaub, helfe Kriegskindern in Bosnien, fördere
die Medizinforschung, kaufe lebenswichtige Geräte und versuche generell dort zu helfen, wo
kein anderer hilft.
Das bedeutet zum Beispiel auch, daß die Kinderhilfe demnächst eine Kinder-Ranch in Holland
baut. Dort sollen Eltern und Kinder sich gemeinsam erholen können. Die AOK plant, das Projekt
zu unterstützen. 2002 soll das Haus gebaut werden.
Man erkennt die Kinderhilfe übrigens an ihrem Logo: einem Haus mit zwei Händen, die einander
halten. Das steht für die Eltern, denen in den Einrichtungen geholfen wird. Das andere Motiv:
Vier Männchen, die hüpfen, springen und turnen. Das sind die Kinder.
Martin Neugebauer, Christian Studt
Klasse 10 a
Paul-Schneider-Gymnasium
Meisenheim
Zeitung in der Schule
Ein Projekt der Süddeutschen Zeitung und des Institutes zur Objektivierung von Lern- und
Prüfungsverfahren (IZOP) Aachen mit 1130 Teilnehmern aus 44 Schulklassen unterstützt von der
HypoVereinsbank, McDonald's Deutschland Inc., und Dr. Robert-Eckert-Schulen
Verantwortlich für die Redaktion:
i.V. Stefan Plöchinger
Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis der Verfasser.