Informationen zur Herzschrittmacher-Therapie

bei Kindern und Jugendlichen

für Eltern und Patientinnen/Patienten


Allgemeines:

      Alle heute verwendeten Schrittmachersysteme können über einen Bewegungssensor die körperliche Aktivität registrieren und bei Bedarf einen der körperlichen Belastung entsprechenden, schnelleren Herzschlag anregen (sog. Frequenzanpassung).

Der Herzschrittmacher und die Verbindung zum Herzen:

      Das Schrittmacherbatteriegehäuse befindet sich normalerweise in einer Muskeltasche im Oberbauch. Vom Schrittmacherbatteriegehäuse verläuft tief unter der Haut ein Kabel (die Schrittmacherelektrode) zum Herzmuskel (selten ein zweites). Der Elektrodenkopf ist entweder auf das Herz aufgenäht (epikardial) oder mit einem Gewinde in den Herzmuskel eingeschraubt (myokardial).

      Nur selten im Kindesalter, häufiger im Jugendalter und im Erwachsenenalter fast ausschließlich wird die Schrittmacherelektrode über die große Vene, die unterhalb des Schlüsselbeines verläuft, in die rechte Herzkammer hinein plaziert (transvenös). Der Elektrodenkopf wird dort entweder mit kleinen Widerhaken oder mit einem schmalen Schraubgewinde an der Innenwand der rechten Herzkammer fixiert (endokardial). Das Schrittmacherbatteriegehäuse befindet sich in diesen Fällen rechts oder links unterhalb des Schlüsselbeins in einer Muskeitasche.



Umgang mit dem Herzschrittmacher und Störquellen im Alltag:

      Unabhängig vom Herzschrittmacher dürfen sich die Patientlnnen uneingeschränkt körperlich belasten - es sei denn, es ist aus anderen Gründen eine Beschränkung auferlegt worden. Stumpfe und scharfe Gewalteinwirkung im Bereich des Schrittmacherbatteriegehäuses, sei es durch Sturz aus > 1 m Höhe oder schwere Schlageinwirkung, oder Geräteturnen im Schulsport, kann zu Störungen der Schrittmacher- oder der Elektrodenfunktion führen und muß deshalb vermieden werden. Im Zweifelsfall sollte die Schrittmacherfunktion im zuständigen Herzzentrum überprüft werden.

      Zu Störungen der Schrittmacherfunktion und/oder Auslösung von schweren Herzrhythmusstörungen können starke elektromagnetische Felder führen;

      beispielsweise:

      Mobilfunktelefon [C- und D-Netz], Diebstahlüberwachungssystem, Sicherheitsanlage (Schranken schnell durchschreiten), Waffensuchgerät (Schrittmacherausweis vorzeigen), Magnet in Lautsprecherboxen, Mikrowellenherd, Rasierapparat mit Schwinganker Sensortasten an Fernsehgeräten Elektro-Schweißgerät Elektro-Stahlofen.

      In der Regel ist ein Sicherheitsabstand von 25 cm ausreichend, der Schrittmacher nimmt nach Entfernung der Störquelle in der Regel seine normale Funktion wieder auf.

      Umgang mit dem Herzschrittmacher und Störquellen beim Arzt / im Krankenhaus: immer sofort den Schrittmacherausweis vorzeigen

      Operationen nur dort durchführen lassen, wo eine Überprüfung der Schrittmacherfunktion gewährleistet werden kann (niemals unipolaren Elektrokauter verwenden)

      bei Physiotherapieverfahren (Hochfrequenz-Wärme-Therapie, Kurzwellentherapie): Schriftmacherreaktion ist unvorhersehbar!

      Empfehlung: unmittelbare Schrittmacher- und Elektrodenumgebung meiden Schrittmacherbetrieb unmittelbar nach der Behandlung überprüfen

      Kernspintomographien sind nur in Anwesenheit des zuständigen Kardiologen zulässig und nur dann durchzuführen, wenn absolut notwendig und durch keine andere diagnostische Maßnahme ersetzbar


Zitat aus einem Patientenbuch der Deutschen Herzstiftung e. V.:


            "Die einzigen realen Möglichkeiten,
            einen Schrittmacher durch Einwirkung von außen zu zerstören,
            befinden sich glücklicherweise in der Hand des Arztes,
            so daß kaum die Wahrscheinlichkeit besteht,
            zufällig in den Bereich einer so gefährlichen Einwirkung zu kommen."


Routine-Kontrolle der Schrittmacherfunktion:

      Die Überprüfung der Schrittmacherfunktion umfaßt die Ableitung eines normalen EKG's, ggf. auch die eines Langzeit-EKG's, und die Kontrolle mit Hilfe spezieller Schrittmachertestgeräte, welche herstellerspezifisch eine Kommunikation mit dem Schrittmacher ermöglichen.

      Unmittelbar nach der Erstimplantation sind meist einige kurzfristige Kontrolluntersuchungen notwendig, um während der Einheilungsphase die minimal notwendige und doch ausreichend sichere Stromabgabe des Schrittmachers zu ermitteln, die eine im Bedarfsfall sichere Stimulation des Herzens gewährleistet (sog. Reizschwellentest).

      Nach der Einheilungsphase (etwa nach 3-4 Monaten) sind in der Regel Kontrolluntersuchungen in Abständen von 6 - 12 Monaten ausreichend. Bei diesen Schrittmacherkontrollen geht es, neben der für das subjektive Wohlempfinden optimalen Frequenzprogrammierung, immer wieder um den Reizschwellentest und die Frage, ob es Zeichen einer Batterieerschöpfung gibt.

      Bestimmte Medikamente zur Beeinflussung des Herzrhythmus und manche Erkrankungen können einen ungünstigen Einfluß auf die Reizschwelle haben. Fragen Sie bitte Ihren zuständigen Arzt nach weiteren Details.

      Die Lebensdauer oder Laufzeit der Schrittmacherbatterie hängt davon ab, wie oft der Schrittmacher das Herz stimulieren muß und wieviel Energie pro Herzschlag dafür benötigt wird. Stark verallgemeinernd liegt die Laufzeit der Schrittmacherbatterien im Bereich von mehreren Jahren. Wegen der ausgeprägten individuellen Besonderheiten und Schwankungsbreite ist hier eine genauere Angabe nicht möglich. Bitte fragen Sie Ihren Arzt, in welchem Rahmen sich die individuelle Laufzeit der Schrittmacherbatterie in Ihrem Fall bewegt.

      Wenn sich zeigt, daß das Ende der Batterielaufzeit abzusehen ist, sind erneut kurzfristigere Kontrolluntersuchungen notwendig.

      Sollte sich bei einer Routinekontrolle ergeben, daß die Kriterien zum Austausch der Schriftmacherbatterie erfüllt sind, muß der operative Batteriewechsel unverzüglich (innerhalb weniger Tage bis Wochen) geplant werden.

      Bitte führen Sie den Schrittmacherausweis stets mit sich - insbesondere bei jeder Kontrolluntersuchung, damit die Testwerte und etwaige Änderungen der Schrittmacherprogrammierung dort auch dokumentiert werden können.


                Dr. C. Irtel von Brenndorff
                Kinderkardiologe
                im Januar 1998

Definition der Schrittmacherprogrammierung
(Die Erläuterung zu den Buchstaben findet sich weiter unten)

Beispiel: Ein Schrittmacher mit VVI-Programmierung stimuliert den Ventrikel, kann Ventrikel-Aktionen wahrnehmen und inhibiert (stimuliert nicht) nach einer Wahrnehmung.
1. Position 2. Position 3. Position 4. Position 5. Position
Ort der Stimulation Ort der Wahrnehmung Art der Reaktion Programmierbarkeit Antitachykardiefunktionen
0 0 0 0 0
A A T P P
V V I M S
D D D C D
S S   R  

5. Position
P Antitachyarrhythmische Stimulation
S Schock
D Dual (P+S)

Magnetfrequenz = Betriebsart A00/V00/D00

Internationaler Schrittmachercode (NBG = NASPE-BPEG-Generic-Code)
V   Ventrikel (Herzkammer)
A   Atrium (Herzvorhof)
I   Inhibition (Impulsunterdrückung nach Wahrnehmung)
T   getriggert (Impulsantwort, stimuliert nach Wahrnehmung)
D   Dual (Ventrikel und Atrium, inhibiert und getriggert)
S   Single chamber (Ventrikel oder Atrium)
0   keine Steuerung (nicht inhibiert, nicht getriggert)
R   Rate modulation (Frequenzanpassung)
P   einfach programmierbar
M   Multiprogrammierbar
C   Communication (Dialogverkehr beim Programmieren)

Erläuterungen zur Schrittmacherimplantation finden sich hier:
http://thgms.uni-muenster.de/kinder-thg/tga/der_herzschrittmacher.htm

Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers

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